#10: Frühling 2009

Die uncool Edition. Eines Tages schrub mir eine Fotografin aus Hamburg, dass sie Asperger Autisten kenne, die gerne für unsere Magazin schreiben würden, sich aber für zu uncool hielten, es auch wirklich zu tun. Da dachten wir, meine Güte, wir sind doch irgendwie selbst uncool und ersannen die Uncool-Edition. Die Autisten trauten sich hernach aber nicht mehr für Stijlroyal zu schreiben, weil sie meinten, wir würden nur behaupten uncool zu sein, in Wirklichkeit seien wir ja hippe Hippster. In einem Internetforum schrieben sie aufgeregt durcheinander, wir mischten uns ein, aber alle Versuche der Beschwichtigung fruchteten nichts. Sie sagten, “Macht ja nichts, aber wehe wir kriegen nicht ausreichend Magazine zugeschickt!”. Und so erfanden wir die Uncool-Edition. Zunächst schrieben Martin Herrmann, Manja Pfeiffer und Svea Raßmus, Kacper Potega und Huck Haas über Uncoolness. Dann gingen wir mit Daniel Roos ins Fotostudio und fotografierten Nieren, Herz, Kuddeln und Leber, alles vom Kalb und ließen alles anschließend vom Koch Holger Gümbel (nicht verwandt und verschwägert) kochen und dann nochmal ablichten. Dazu verkosteten wir teilweise zum ersten Ma(h)l in unserem Leben diese inneren Schweinehunde. Bis auf die Nieren, schmeckte alles erstaunlich… nicht schlecht. Naja dachten wir, aber musste schon sein, denn Innereien gelten ja als uncool vor dem Herrn. Als Magazin-Font verwendeten wir diesmal in der Headline die Fette Fraktur, die in Volkskreisen ja schon deshalb als uncool gilt, weil sie eine Nazischrift sein soll. Dass dies hanebüchener Unsinn ist, beschrieben wir im Magazin. Die Haltung zur Schrift ist jedoch dem Geschmack überlassen. Und dann schickten wir den Fotografen Daniel Roos ausgestattet mit ein paar Einwegkameras und unsere tapferen Web-Entwickler in diverse, höchst uncoole Stadtteilkneipen. Dort tranken sie jeweils ein oder drei Biere und beschrieben das, was sie erlebt haben. Man kann den Bildern entnehmen, dass sie einiges erlebt haben. Der in Wiesbadener Verkehrsteilnehmerkreisen höchst uncoole Kasteler Kreisel musste dann auch als Beispiel für nicht ganz so hypercoole Verkehrsführungen hinhalten. Ach, was ist schon uncool? Zum Beispiel scharfe Lebensmittel. Uncool im Sinne von Hot. Wir kauften für über 170 Euro scharfe Lebensmittel und trafen uns zur Rohverköstigung. Es war furchtbar. Meistens furchtbar ernüchternd, aber dann auch wieder furchtbar scharf. So warf uns einer selbstgemachte Chilipaste eines zufällig vorbeikommenden Passanten für Tage aus der Bahn. Björn Göbel bekam sogar Ohrenschmerzen davon. Ja und dann… hatten wir ja noch den Strick-Gandhi. Den hatten wir vor allen deswegen, weil ihn die bezaubernde Kiki Haas für uns höchstpersönlich handwirkte und zur Verfügung stellte. Darauf trinken wir doch einen Chantré.